Im Auto mit Hamlili
Es ist dunkel und die Sterne funkeln als du das Auto umdrehst und über die Überführung leitest, jetzt, wo wir auf der Brücke fliegen und die ganze Stadt vor uns ausgestreckt steht, wie auf einem Teller präsentiert, nur zu unserem Genuss. Ich sehe im Dunkeln die Gebäude kaum, nur die Lichte weisen auf ihren Umrisse hin, aber wir sind diesen Weg schon mehrmals gefahren und ich weiß, wo wir sind, ich spüre es, als wir über den riesigen muslimischen Supermarkt sausen und einen großen Bogen schlagen bis wir über die Gleisen der Eisenbahn kommen, vorbei an der türkischen Moschee.
,,Lena‘‘ sagst du, ,,weiß du, du bist jetzt neu geboren, alle deine Sünden sind weg, es ist wie ein ganz neues Leben für dich‘‘ und du grinst zu mir hoch, als hättest du mir die ganze Welt eröffnet.
Ich sag dir du solltest nicht gleichzeitig simsen und fahren. Du hörst mir nicht zu.
Aber die ganze Welt scheint, stillzustehen. Als würden wir nicht vorbei sausen sondern mitten im Flug stehenbleiben, suspendiert über der Stadt wie auf einer Mobile. Als würde die Luft in meinen Mund anhalten und warten, um zu sehen, was ich als nächstes machen werde.
Ich stehe an der Schwelle zwischen der alten Welt und der Neuen und die Zeit selbst bleibt sehen, um zu sehen, was ich auf ihr schreiben werde.
Du sagst ,,weiß du, du sollst deine ganze Familie auch konvertieren, damit sie auch nicht mehr verdammt sind‘‘, so sachlich, als wäre das einem von der ganzen Welt selbstverständlich akzeptierte Wahrheit.
,,Mmm-hmm‘‘ erwidere ich, als ich aus deinem Auto hinaussteige, und der Stille der Nacht den staubigen Abhang zu meiner Wohnung hinaufschlage.

